Nachts beißt die Psyche zu
Unterkiefer mit Aufbissschiene
Zähneknirschen hat oft seelische Ursachen
Egal ob man mit Biss an einer Sache ist oder sich verbissen in ein Problem verrennt, ob man sich durchbeißt oder zerknirscht eine Niederlage einsteckt: Der Mensch neigt unbewusst dazu, bei starker Anspannung, hoher Konzentration oder in belastenden Situationen die Kaumuskulatur anzuspannen.
Ist das Aufeinanderpressen ein häufiger und vor allem andauernder Vorgang, dann liegt eine Funktionsstörung vor. Mindestens acht Prozent der Bevölkerung leiden einmal in der Woche oder häufiger unter Bruxismus, wie Zähneknirschen von Medizinern genannt wird. Das ergab eine Studie der Stanford University School of Medicine (US-Bundesstaat Kalifornien), die in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, durchgeführt wurde.
Etwa die Hälfte der Betroffenen (44 Prozent), knirschen auch in der Nacht. Weil aber gerade der so genannte nocturale Bruxismus oft nicht erkannt wird, gehen die Forscher von einer relativ hohen Dunkelziffer aus. Betroffene Frauen belasten ihre Kiefer im Durchschnitt mit bis zu 300 Kilogramm, Männer mit bis zu 400 Kilogramm. Sprünge, abgebrochene Ecken, lockere Füllungen und vor allem deutlich abgeriebener Zahnschmelz sind die Folge. Und auch das Kiefergelenk und die Kaumuskulatur leiden.
Die meisten Zahnärzte verordnen Knirschern eine so genannte Aufbissschiene. Dabei handelt es sich um einen Zahnaufsatz aus Kunststoff, der nachts auf eine Zahnreihe aufgesetzt wird. Die Schiene soll zum einen die direkte Reibung verhindern und andererseits den Druck über den gesamten Kiefer verteilen.
Quelle: Westf. Nachrichten Münster, 27.11.2001
